Backups
Was gibt es schöneres zwischen den Jahren, als in alten Erinnerungen zu schwelgen? Ich archiviere mein Leben seit längerer Zeit zu beachtlichen Teilen digital: die erste Digitalkamera gab es 2001, ältere Fotos sind größtenteils digitalisiert, und halbwegs regelmäßige und sortierte Backups mache ich seit 1992. Produkt- und Treiber-CDs fasse ich, wenn möglich, auch auf selber gebrannten Medien zusammen, alleine der Übersichtlichkeit halber. Die Originale werden nur aufbewahrt, wenn dies aufgrund von Lizenznummern o.ä. nötig ist.
Mein Archiv faßt momentan
- Zwei externe Festplatten mit "Systemsicherungen" (d.h. Spiegelungen von Heimatverzeichnissen, Systemeinstellungen, Mailordnern usw., die sich aber ständig ändern),
- ca. 5 GB persönliche "aktive" Daten, die sich sporadisch bis ständig ändern (Dokumente, Texte, Arbeiten, Finanzen),
- ca. 10 GB persönliche "archivierte" Daten, die sich nicht mehr ändern (also alter Uni-Kram, alte Briefe, Korrespondenz, etc),
- ca. 10 GB selbst komponierte, oder zumindest selbst aufgenommene Musik,
- ca. 25 GB Fotos und kleine Digicam-Filmclips (ca 20'000, davon knapp 10'000 aus den letzten drei Jahren und 5'000 aus eingescannten Negativen),
- vier DVDs mit von Super-8 digitalisierten alten Familienfilmen,
- zwei DVDs voller Software (Linux-Distributionen und Original-Installations-CDs ausgenommen), das meiste davon allerdings aus der Zeit, als ich zuhause noch Windows einsetzte, und hoffnungslos veraltet (hat schon fast Nostalgiewert ;) ).
CDs/DVDs sind also auch kein ideales Sicherungsmedium. Daher bin ich auch immer auf der Suche nach einem besseren. Bisher habe ich aber noch keines gefunden ...
Online-Backups - ein ganz neuer Trend - scheitert schon alleine an meinen Datenmengen. Für die Sicherung von ein paar (-zig) MB Dokumenten ist das tauglich, aber nicht für Dutzende Gigabyte Fotos und selbstgemachter Musik. Der einzige, der hier in Frage käme, wäre CrashPlan, denn die erlauben auch das Sichern auf der Festplatte eines "Freundes" - und das kann auch im lokalen LAN sein. Das wäre dann so eine Art Duplicity mit hübscher Oberfläche. Nett, leider krankt die - in Java geschriebene - Oberfläche und das Backend noch an übermäßigem Ressourcenhunger und hat diverse unschöne Bugs.
Festplatten haben große Kapazitäten, sind schnell, aber sterben oft urplötzlich und sind relativ empfindlich (Sturz, Temperatur, Feuchtigkeit, Magnetismus, ...). Zudem stellt sich die Frage nach einem portablen Dateisystem, und die Abkömmlinge von FAT sind für 500 GB aufwärts nicht mehr praktikabel. Für "live" Systembackups nötig und tauglich, da man ggf. auch davon booten kann, für langfristige Archivierung nicht.
Bänder sind zu unhandlich. Vom Floppystreamer zum DAT-Tape habe ich alles schon in mehrfacher Ausfertigung durchprobiert und immer war entweder das Sichern oder das Auslesen ein Krampf. Ich mache kein Backup, nur um dann erfahren zu müssen, dass die gesicherten Daten nur auf dem Rechner, nur mit der Hardware und der Software auf dem Betriebssystem in der Version wiederherstellbar sind. Zudem waren mir DAT-Tapes einfach viel zu unzuverlässig.
Optische Medien (CDs, DVDs) sind - mittlerweile - relativ günstig, aber je größer das Medium, desto empfindlicher ist es auch. Sie sind aber um einiges widerstandsfähiger - und auch langlebiger - als Festplatten und DAT-Bänder. Das Dateisystem ist standardisiert und überall beschreib- und lesbar. Wenn man will, kann man mit portabler Software wie TrueCrypt oder (zumindest für Linux und Macs) EncFS, oder einfach verschlüsselten Archiven, auch seine Archive absichern. Leider muss man höllisch aufpassen, welche Marke man kauft, denn hier gibt es riesige Unterschiede. Und wenn man seine Backups verschlüsselt, dann reicht oft ein defekter Sektor, um entweder die komplette Datei oder sogar das komplette Backup unlesbar zu machen.
Es folgt ein subjektiver, nicht wissenschaftlicher Vergleich der Rohlinge, die bei mir seit 1-12 Jahren ihr Dasein fristen.
- Philips. Saugute Qualität. Ich habe seit 1997 diverse Philips-CD-Rohlinge gebrannt und das waren die einzigen, die heute noch auf allen mir zur Verfügung stehenden Laufwerken ohne Fehler gelesen werden konnten. Selbst auf einem sieben Jahre alten Ultrabillig CDROM Laufwerk. Die 15 Mark pro Stück (damals) waren die Dinger unbestritten wert.
- Verbatim. Saugute Qualität. Acht Jahre alte CDs und fünf Jahre alte DVDs sind noch problemlos lesbar und liefern selbst mit Nero CDSpeed noch ein halbwegs vernünftiges Bild.
- Sony. Gute Qualität, wenig Fehler. Ich hatte aber zu wenig Rohlinge von Sony, als dass ich repräsentative Aussagen machen könnte.
- BASF. (650MB) Gute Qualität, trotz teilweise heftigen Kratzern (an der Unterseite) keine Lesefehler, nur mein altes Noname-CDROM Laufwerk hat gemeckert.
- Traxdata. (8x 650MB) Ging so. Einige hatten Fehler, einige waren OK.
- CD-R Pro (Multi, 650MB). Gute Qualität, wenig Leseprobleme.
- HICO Recordable CD (12x, 700MB). Ebenfalls Mittelfeld. Ich konnte alle noch lesen, aber die meisten nur mit meinem Philips-DVD Brenner.
- Medion. Miserabel. Von ca 50 Medion-Rohlingen (hatte vor etlichen Jahren mal eine Spindel von denen im Angebot gekauft) waren die meisten nicht mehr fehlerfrei lesbar.
- Platinum. AARGH! Kein einziger von über fünfzig Platinum-Rohlingen, die ich die letzten zehn Jahre aufbewahrt habe, war mehr fehlerfrei. Dies sind immer noch die billigsten Rohlinge, auch bei DVD, und das hat scheinbar auch einen Grund!
Daraus schließe ich, dass man diesen Anteil besser nicht für kritische Daten nutzen sollte und auf gar keinen Fall einen Rohling bis zum letzten Ende vollknallen sollte. Experimente mit Nero CDSpeed bestätigen das - die Fehlerrate steigt im letzten Zehntel selbst bei nagelneuen Rohlingen an, auch wenn die Laufwerke diese Fehler oft noch problemlos korrigieren können. (Mit diesem Programm kann man auch herausfinden, wo die Dateien auf der CD physikalisch liegen.)
Und schlechte DL-Rohlinge haben diesen Bereich zweimal, d.h. die Daten, die "in der Mitte" liegen, sind oft auch betroffen.
Dann hatte ich noch eine Reihe von "noname" Rohlingen, die noch nicht einmal eine Aufschrift hatten (also komplett silbern) und wo man anfangs auch Probleme hatte, die Ober- und Unterseite zu unterscheiden. Aber die haben sich auch größtenteils selbst erledigt, denn durch die meisten kann man mittlerweile durchgucken, die sind fast transparent geworden (und damit meine ich keine Kratzer o.ä.).
Fazit:
Philips und Verbatim kann man i.d.R. vertrauen.
Dem Rest teilweise.
Platinum und alles ohne Aufschrift kommt bei mir nicht mehr ins Haus.
Ich habe weder Zeit noch Lust für Glücksspiele, und da ich nicht terabyteweise Filme oder ähnliches durch die Gegend schiebe und auch keine 100er Spindeln DVDs wöchentlich verbrate, leiste ich mir einfach gute DL-DVD Rohlinge für (momentan) ca 2€ das Stück mit der Gewissheit, dass die Daten darauf auch halbwegs sicher sind.
(PS: mir ist durchaus bewusst, dass die Hersteller teilweise verschiedene Lieferanten und Chemikalien haben und auch bei Philips und Verbatim Schwankungen auftreten können. Ich liefere gegebenenfalls gerne die genauen Rohlingtypen nach.)


