Der Heise-Verlag titelt "Nach Kino.to ist vor Kino.to", und wieder kommen Diskussionen über Internet-Warnschilder auf.
Derlei Warnschilder können funktionieren, wenn die Nutzung des Netzes von vornherein einem bestimmten Zweck dient. In meiner Firma ist das genau so gelöst: wer eBay oder Facebook aufruft, bekommt einen Hinweis, dass die Nutzung protokolliert wird und nur für berufliche Zwecke erfolgen darf. Gesperrt sind diese Seiten nicht; gesperrt sind nur offensichtlich illegale Seiten, sowie Webmail- und Filesharing-Anbieter (aus verständlichen Sicherheitsgründen).
Damals in der Schule war das ähnlich: wer Seiten mit zweifelhaftem Inhalt aufrief, bekam einen Warnhinweis, dass der Aufruf protokolliert würde und er die schulische Nutzung gegebenenfalls nachweisen können müsste.
Das hat wunderbar funktioniert, und zwar aus den folgenden Gründen.
- sowohl Nutzerkreis als auch Nutzungsrahmen des Internetzugangs waren vorbestimmt und informiert,
- hinter den Filtermaßnahmen standen keine wirtschaftlichen Interessen, sondern legitime pädagogische und sicherheitstechnische,
- es gab einen definierten Verantwortlichen bei fälschlich blockierten Adressen, der verpflichtet war, Beschwerden zu prüfen und ggf. zu reagieren,
- es gab Alternativen (privater Internetzugang).
Erlaubte Nutzung wurde nicht verhindert, aber die Leute konnten sich auch nicht mit Versehen oder Unwissen herausreden, wenn sie bei verbotener Nutzung erwischt wurden. Und die Benutzer akzeptierten das, weil sie ja all das machen konnten, was sie für ihre Arbeit benötigten, und ihr Privatvergnügen problemlos an einem anderen Internetzugang ausleben konnten.
Global funktioniert das jedoch nicht. Zum einen ist die Infrastruktur ungleich heterogener und damit komplexer und fehleranfälliger. Viel wichtiger ist aber, dass die propagierten Warnschilder einem ganz anderen Zweck dienen sollen und genau das den Benutzern vorenthalten wird:
- die Politik fordert eine technische Grundlage für Zensurmaßnahmen, und das ist mitnichten graue Theorie,
- die Wirtschaft fordert eine technische Grundlage für die Gewinnmaximierung ihrer Geschäftsmodelle, namentlich
- das Blockieren illegaler (= nicht bezahlter) Inhalte und
- eine flexible, geschäftsmodellabhängige Definition von "illegal", und
- die Strafverfolgung fordert eine technische Grundlage für ... ja, was eigentlich genau?
Weder gibt es einen Verantwortlichen, der bei wiederholt ungerechtfertigter Blockade von Internetadressen seinen Job und möglicherweise sogar rechtliche Konsequenzen riskiert, noch überhaupt eine Anlaufstelle oder gar Rechtsmittel, um aus solch einer Liste herauszukommen, noch soll es zugelassene Alternativen geben, blockierte Adressen dann doch noch zu verwenden. Dazu kommen dann starke Interessenkonflikte zwischen denjenigen, die diese Maßnahmen fordern.
Fazit:
Websperren funktionieren lokal. Global nicht. Egal wie sie technisch umgesetzt würden.
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